2017 – Eine Wunschliste

Ein 14-jähriges Mädchen steckt einem 9-jährigen Mädchen einen angezündeten Böller in den Ausschnitt. Eine junge Frau wird so ganz nebenbei die Treppe runtergestoßen. Ein alter Mann stirbt vor einem Bankautomaten, während andere Kunden nicht mal zuschauen. Tiere werden lustvoll gequält und Verkehrsunfälle nach You-Tube-Eignung per Handy aufgenommen. Rettungskräfte werden massiv behindert, Polizisten ignoriert und Richter ausgelacht.

Was ist los mit uns? Wollen wir das?

Wenn nicht, hat da jemand, habt ihr schon mal drüber nachgedacht?  Ernsthaft bis hin zu den möglichen Konsequenzen? Um es vorweg zu nehmen, ich rede hier nicht von Hasspredigten aus der religiösen, rechten oder linken Ecke. Ich sehe keinen Unterschied zwischen den Gehirnwäsche-Ansprachen von moslemischen, AFD-/NPD- Parolen, Donald Trump oder Marine le Pen.  Denn alle verbindet eine Gemeinsamkeit: Ein paar wenige intelligente, machtgeile Menschen bringen viele, dümmere Menschen mit einfachen Lösungen in Wallung.

Was können wir dagegen tun? Und was nicht?

Wir können keine Mauern um Deutschland oder Europa bauen. Wir können den Missbrauch der digitalen Medien nicht verhindern. Wir können andere Kulturen nicht verändern. Kreuzzüge sind schon lange out und die Halbmondzüge werden irgendwann das gleiche Schicksal ereilen. Doch die bereits erwähnten Hassprediger brauchen ihre tägliche Dosis an Machtgeilheit wie der Junkie am Bahnhof Zoo. Wieso an morgen denken, nichtdenkende Mitläufer wird es immer geben.

Was also können wir tun?

  1. Unser Wertesystem überdenken.
  2. Den Menschen zum Selber-Denken befähigen.
  3. Keine Toleranz gegenüber Intoleranz.

Hinterfragen wir zunächst unser Wertesystem. Ich meine das tatsächliche, nicht das auf dem Papier. Denn wie sonst können wir unsere „Geiz-ist-Geil“-Mentalität erklären, wenn andere Menschen für billige Kleidung oder Smartphones, Tiere für billiges Fleisch und unsere Erde, also der Ast auf dem wir sitzen, für unsere Alles-haben-wollen-und-zwar-sofort-Mentalität zerstört werden. Wenn die Würde des Menschen unantastbar ist, wie kann es dann sein, dass sie jeden Tag angetastet wird? Weil wir vielleicht unser Wertesystem nicht genügend vermittelt bekommen?

Die Verantwortung hierzu fängt schon am Tag der Geburt an. Kinderarmut, Dreiklassen-Gesellschaft  und das beständige Weggucken prägen vom ersten Lebenstag an. Unsere Gesellschaft betet die „schwarze Null“ an und spart dabei unser Wertesystem kaputt. Kindergärten, Schulen, Vereine, Sport- und Kreativeinrichtungen sind das Sparpotential unserer Verantwortlichen von der Bundes- über die Landes- und Kommunalpolitik. Natürlich sind auch die Eltern in der Verantwortung. Aber geben wir ihnen auch die Befähigung dazu, wenn neben Bildung noch die Hoffnung zerstört wurde?

Was genau bedeutet Bildung?

Bildung darf sich nicht darauf beschränken, mathematische Formeln oder den korrekten Imperativ einzusetzen.  Anerkannte Professoren der Neurologie und Hirnforschung haben bewiesen, dass unsere Schulbildung unsere Kinder für die Zukunft unfähig macht. Unfähig heißt ausgegrenzt, heißt anfällig für Hetzparolen. Nicht nur Prof. Gerald Hüther fordert, dass die Pflichtfächer an unseren Schulen Sport, Tanzen und Musik sein sollten, um Denken und Querdenken zu ermöglichen. Gerade letzteres verhindert unser immer noch in die Vergangenheit ausgerichtetes Bildungssystem.  Deutlich wichtiger empfinde ich jedoch die Einführung von Empathie und Ethikunterricht. Ethik ist hierbei bitte nicht mit Religion zu verwechseln.

Eine letzte Frage: Dürfen wir intolerant sein?

Die Antwort ist einfach: Ja. Die Umsetzung jedoch ist schwieriger. Denn wenn wir intolerant gegen Unterdrückung und Gewalt sind, müssen wir das auch durchsetzen, selbst wenn es wirtschaftliche oder religiöse Interessen betrifft. Das betrifft also nicht nur die Gesichtsverschleierung, die kein religiöses sondern ein ausschließlich unterdrückendes Symbol ist. Es bedeutet ebenso, dass wir unsere demokratische Staatsgewalt genauso wie Rettungskräfte, Lehrer und Sozialarbeiter mehr wertschätzen müssen als Menschen, die Steuerhinterziehung in Millionenhöhe als Kavaliersdelikt betrachten und dafür nicht nur bewundert sondern sogar wieder in Amt und Würden eingesetzt werden.

Es bedeutet, dass im Kindergarten keine Fremdsprache sondern die gemeinsame Sprache und empathisches Miteinander im Vordergrund stehen muss. Es bedeutet, dass die Schule auf die Zukunft, selbständiges Denken und eigenständiges Leben vorbereitet. Es bedeutet, dass ein Handwerker oder eine Krankenschwester wertvoller für unsere Gesellschaft anzusehen sind als Aktionäre.

Meine Wunschliste für 2017: Empathie, Respekt und ein Wertesystem, das klar definiert ist und  unsere demokratischen und gesellschaftlichen Werte fühlbar,liebens- und lebenswert macht. Vielleicht haben wir dann doch noch eine Chance, nicht als hirnlose Parasiten von dieser Erde zu verschwinden.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein gutes Neues Jahr. Lasst es hochleben, lasst es uns erleben, lasst es leben. In Liebe zu euch allen.

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