Das Haar in der Suppe oder 3 facebook-Fragen, auf die ich nie antworten wollte

 

ei3 ei1 ei2Ich weiß nicht, ob nur oder überwiegend wir Deutschen es immer wieder schaffen, nach guten Aktionen oder auch Ereignissen schnell das Schlechte zu sehen. Die Suche nach dem Haar in der Suppe startet meist schon Stunden nach einem positiven, dramatischen, traurigen, schönen Was-auch-Immer-Ereignis. Das „Ja-Aber …“ kommt so sicher wie das Amen in der Kirche und entspricht oftmals nur dem Niveau eines Kaffee-Klatschs, halt auf digitaler Ebene und im Übrigen Geschlechter-neutral.

Drei Beispiele:

Wo bleibt der Aufschrei für all die Opfer, die in XY bei einem Selbstmordanschlag ums Leben gekommen sind …. Sind die in Brüssel (London, Paris ….) wichtiger?

Ich oute mich, ich hatte die französische Flagge in meinem Profil, habe öffentlich um London und Brüssel sowie die GermanWings-Opfer getrauert und nicht bei den libanesischen, pakistanischen, türkischen, indischen …. Katastrophen mein Profilbild gewechselt.

Der Grund ist so simpel wie hoffentlich nachvollziehbar:

Wenn meinen Kindern was passiert, werde ich nachweislich wahnsinnig. Wenn meiner Familie etwas angetan wird, Trauerfälle oder Schmerz in meinem Freundeskreis… auch wenn ich das nicht immer öffentlich mache, trifft es mich doch tief im Herzen und mehr als manche Dramen in fernen Ländern. Wenn ich Menschen persönlich kenne, mit ihnen über Jahre verbunden oder mich meinetwegen auch nur ideologisch und kulturell verbunden fühle, schmerzt es mehr und direkter. Ich habe außerdem Freunde in Frankreich, England und Belgien. Übrigens auch in Italien, Spanien, USA, Kanada, Jordanien …. Aus den gleichen Gründen wird in Pakistan sicherlich mehr über den Tod des Nachbarjungen getrauert, als über den Tod der GermanWings-Opfer. Und das ist doch völlig normal.

Diese Rundumschläge auf mein schlechtes Gewissen sind genauso sinnvoll wie den Teller immer leer essen zu müssen, weil in Afrika Menschen verhungern.

Wer gegen Tierquälerei ist und die Haltungen in China, Türkei, Polen …. verurteilt, teilt diesen Post.

Heißt das in Konsequenz, wenn ich den Beitrag nicht teile, dass ich dafür bin? Was soll dieses Zwangs-Teilen bewirken? In erster Linie doch wohl die Befriedigung des ersten Posters, der so oft wie möglich in der Öffentlichkeit mit seinem ach so tollen Gewissens-Posting erscheinen möchte.

Natürlich gefällt mir Tierquälerei nicht und oftmals dreht es mir den Magen um. Ich bin auch für Aufklärung von Missständen. Jedoch hilft es mit Sicherheit mehr, wenn ich keine Mütze mit Fell-Bommel, keine Gänse aus Polen und vor allem nicht die Billig-Wurst im Discounter kaufe. Ich habe übrigens noch keine Zwangs-Postings für unsere europäischen Kühe und Schweine gesehen.

Freundschaft bedeutet … und wer den Wert wahrer Freundschaft kennt  …  mal sehen, wer diesen Post aus meinem Freundeskreis nicht nur ‚likt‘ sondern auch teilt.

Boah, das nervt sowas von. Freundschaft zeigt sich so bestimmt nicht auf facebook, zumindest nicht in kopierten Postings. Wahre Freundschaft zeige ich, wenn ich für jemanden da bin. Das kann auch ein Like, Gruß oder (digitaler) Trost sein, aber sicherlich kein kopierter Zwangs-Text. Das gilt genauso für „Wenn du deine Schwester, Vater, Mutter, Tochter, Sohn liebst, dann …“. Wer so etwas von mir als Freundschaftsbeweis verlangt, hat vermutlich ganz andere, sehr reale Probleme.

 

Das Ei in der Suppe

Umgekehrt geht es übrigens auch. Daher hier als Gegengewicht drei Post-Varianten, über die ich mich regelmäßig bei facebook freue:

Fotos und Statusberichte

Ich finde es schön, an Lebensereignissen oder auch nur Momenten meiner Freunde teilhaben zu dürfen. Ganz besonders dann, wenn ich gerade nicht in der Nähe sein kann oder meine Freunde irgendwo anders auf dieser Erde sitzen.

Links

Ich freue mich über Links zu Berichten, Ereignissen, News oder Veranstaltungen, die meine Freunde interessant finden und damit auch mir immer neue Anregungen geben.

Sprüche

Ich lache, weine und denke gern auch mal über Sprüche nach, die meine Freunde direkt oder indirekt gepostet haben. Gerade heute habe ich ein schönes Posting bekommen, das nicht nur für Bäume gilt:

‚The true meaning of life is to plant trees, under whose shade you do not expect to sit’ (Nelson Henderson)

Erst denken, dann fordern, ist auch eine Art der Nachhaltigkeit 🙂

 

Eure Michi

 

Foto: Homemade mit der Hilfe von MS Office

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