Ich werde alt …

oder warum will ich mich einfach nicht daran gewöhnen, dass ich bereits seit September Christstollen, Marzipan-Rentiere und Weihnachtsplätzchen kaufen soll? Gestern habe ich dann doch was gekauft. Zwar nicht den Weihnachtsmann von Lindt für 19.50 € sondern, wie alle Jahre wieder, den klassischen Adventskalender.

Wobei, klassisch ist nicht ganz das passende Adjektiv, zumindest nicht mehr, seitdem es unendliche Variationen zu vergleichen gilt.

Natürlich gibt es weiterhin eine, zwei oder auch drei Kinder-Adventskalender-Varianten von zum Beispiel Ferrero. Nur ein Schelm würde dabei an Böses wie Kinderarbeit denken. Ich bitte euch. Die Weihnachtszeit sollte geprägt sein von Demut und Verzeihen. Sorry, das Wort Demut ist mir gerade so aus der Tastatur gerutscht, bitte aus eurer Erinnerung streichen. Verzeihen dagegen hängt vom Grad des Portemonnaies ab, aber auch das verzeihen wir in der Weihnachtszeit gern.

Zurück zu der Vor-Vor-Weihnachtszeit und den Adventskalendern wie die Milka-Variante mit digitalen Spiele-Apps. Ich hatte kurzfristig gezuckt, das gebe ich zu, aber da mir nicht ersichtlich war, ob die Zielgruppe unter 6 Jahren oder über 40 Jahren angesprochen werden sollte, habe ich mich noch ein bisschen weiter umgesehen. Zum Beispiel der über DIN-A3 große Adventskalender mit einem wunderschönen Weihnachtsmann-Motiv für 39,90 €. Hmm. Zum Glück glauben meine Söhne schon lange nicht mehr an den Weihnachtsmann, das spart mächtig Geld. Laut Forsa-Studie sind meine Junge sowieso eher der nächsten, großen Zielgruppe zuzuordnen, die sich über eine alkoholische Variante freuen würde. Nur, wie bereits in der Überschrift erwähnt, werde ich wohl alt und seit meiner Kindheit ist für mich alkoholischer Süßkram ganz eng mit grauen Dauerwellen oder umfangreichen Bierbäuchen verbunden.  Ich frage mich auch gerade, ob ich meinen Ausweis an der Kasse vorzeigen müsste, aber da die Flasche Wodka bei dem jungen Mann vor mir auch blicklos über den Scanner geschoben wird, ist diese Sorge wohl unbegründet und ich werde ja alt und vielleicht sollte ich schon mal langsam über den Rentner-Adventskalender von Hach für 18,95 € nachdenken.

Während ich also mit meinem Weihnachtsmann-freien-klassisch-Schokoladen-gefüllten Adventskalender an der Kasse stehe, überkommt mich die Geschäftsidee für einen absolut hippen Adventskalender, den „Wir-warten-auf-den-Advent-Voradventskalender“. Wer sagt denn, dass der Adventskalender auf den Dezember beschränkt bleiben muss? Man könnte sogar an eine Variante mit Glühwein und Eierlikörpunsch  denken. Das wäre dann der Wir-warten-auf-den-Weihnachtsmarkt-vor-Weihnachten-Kalender.

24 Tage sind definitiv zu kurz für all die Weihnachtsaktivitäten.  Das hätte Maria Magdalena ruhig ein bisschen länger hinziehen können. Für alle, die es nicht wissen, das war die Mutter von Jesus Christus. Und Jesus Christus ist der, dessen Geburt wir am 24. Dezember feiern. Unabhängig davon, ob er an diesem Tag tatsächlich geboren wurde.  Es soll sogar noch Leute geben, die wissen, dass dieser Jesus Christus der Sohn Gottes ist und wir deswegen Weihnachten feiern. Unter anderem.

Allein die ganzen Betriebs-Weihnachtsfeiern. Wenn die alle erst im Dezember stattfinden würden,  wer hat denn dann noch Zeit für den Weihnachtsmarkt? Unsere Weihnachtsfeier war aus diesem Grund auch schon im November. Der schöne Raum und die vielen Tische weihnachtlich dekoriert, alle festlich gekleidet und bereit für einen schönen Abend. Zu den leckeren Klößen und Rotkohl gab es die Weihnachts-Gans und noch vor dem Dessert  Helene Fischer in Diskolautstärke. Jeder der mich kennt weiß, dass ich nicht zu den Helene Fischer Fans gehöre. Seit Freitag sehe ich das etwas anders, da sie neben den Karnevalstauglichen Songs doch ein gewisses Highlight darstellte. Die Tanzfläche war voll, ich nach einer Stunde heiser und meine Kollegin vermutlich taub, da ich ihr immer so ins Ohr brüllen musste.

Ich werde wohl wirklich alt, da mir der Zusammenhang zwischen den Bläck Fööss und „Stille Nacht, Heilige Nacht“ erst heute klar geworden ist. Weihnachten ist Christi Geburt (zur Erinnerung siehe oben), Ostern ist seine Auferstehung und dazwischen ist … richtig, Karneval.  Also werde ich brav meinen Weihnachtsbaum aus recyceltem Kunststoff mit Ökosiegel aus dem Keller holen und nächste Woche auf den Weihnachtsmarkt gehen. Dort gibt es zwar immer weniger Stände mit weihnachtlichen Geschenkideen, dafür aber immer mehr Stände mit warmen Eierlikörpunsch, heißem Glühwein mit oder ohne Schuss, leckeren Reibekuchen und zu Helene Fischer ein Satz warmer Ohrenschützer.

kerzen kleinÜbrigens, die wahre Weihnachtsgeschichte findet ihr am 1. Advent hier bei Michis Corner. Falls ihr zwischen Weihnachtsmarkt, Weihnachtsfeier  und Weihnachtsgeschenkestress auch mal etwas Nachdenkliches braucht.
In diesem Sinne euch allen eine friedliche Weihnachtszeit.

Eure

Michis Corner

 

 

 

 

 

Fotos: Homemade, MS Office Clip art

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