Mut zum Jobwechsel  – Blogparade gegen die Angst vor Veränderung

© by Michis Corner, September 2016

jobwechselBlogparade – boah – das ist fast wie das tolle Karamellbonbon aus meiner Kindheit. Auspacken, schlecken, genießen, schlucken, verschlucken, Hustenanfall und der gut gemeinte Kommentar meiner Mutter „Kind, mach doch mal langsam.“ Eine Mahnung, die mich mein Leben lang begleitete und nur deswegen leiser wurde, weil mein Umfeld gelernt hat zu akzeptieren, dass ich mich schon mal schnell (um)entscheide. Dabei ist es selten schnell sondern flexibel, denn ich plane gerne in verschiedene Richtungen, wenn auch oftmals für mich selbst. Kopfkino halt.

Was hat das mit Mut zum Jobwechsel zu tun? Für mich persönlich alles.

Denn was ist ein Jobwechsel anderes, als sich aufgrund irgendwelcher Umstände auf dem Weg zu (m)einem neuen, notwendigen Ziel zu machen. Der entscheidende Punkt, ob dieser Wechsel  richtig für einen war oder wird, ist die Bereitschaft, sich voll und ganz auf die Chancen aber auch Risiken einzulassen.  Denn seien wir doch mal ehrlich, ohne Grund wechselt keiner seinen Job.

Wenn es also kein Zurück gibt, dann kann es nur nach vorne gehen. Wo ist das Problem? Und schon höre ich meine Mutter wieder sagen: „Kind, hast du dir das denn gut überlegt?“

Ja, habe ich. Ich habe es nur nicht von Anfang an rausposaunt. Vielleicht, weil ich Angst vor zu viel Gegenwind oder auch vor fürsorglichen Argumenten hatte, die mich von meinem Wunschziel abhalten. Ich denke, das kann zum Knackpunkt für viele werden. Ideen und Pläne mit guten Menschen durchzusprechen ist wichtig und richtig. Aber am Ende muss man es selbst entscheiden.

Ich habe mehrfach meinen Job gewechselt, mehr oder weniger freiwillig, die Liste ist, wie man gleich sieht, nicht gerade kurz. Meine „Denk-Male“ sind entsprechend persönlich und sicherlich nicht für jeden gültig.  Aber es sind meine und vielleicht findet sich der oder die eine auch darin.

Denk-Mal # 1

Es ist alles möglich. Also notiere ich mir alle Ideen, Wünsche und Träume, die ich mit einem  Job erreichen möchte. Dann streiche ich das, was wirklich nicht geht bzw. ich definitiv nicht möchte und anhand dieses Ausschlussverfahrens entsteht eine umsetzbare Vision. Womit der erste Satz zur Wahrheit wird: Es ist alles ist möglich.

Mein erster Job – fremdbestimmt

Meine Freundin wollte unbedingt Werbekauffrau werden und da ich gerade ein durch meine Mutter vermitteltes Zwangs-Vorstellungsgespräch beim örtlichen Rathaus hatte, fand ich die Idee super.  Nach dem anschließenden (nicht erfolgreichen, daher kurzfristigen) Besuch der Uni Köln wurde in meiner ersten Festanstellung in einer Werbeagentur eines ganz schnell klar: Kreativität im gestalterischen Sinne war nicht meins (damals gab’s noch keine Computer), Kreativität im organisatorischen Sinne jedoch schon. Innerhalb kürzester Zeit wurde ich die rechte Hand des Chefs, bis ich mich von meinem damaliger Freund schnellstens trennen wollte  und sich mein Eingangs erwähntes Ausschlussverfahren auf zwei  Prioritäten reduzierte: Wie schnell und wie weit komme ich weg. Knapp 4 Wochen später hatte ich ein Angebot aus Stuttgart, 350 km von zu Hause weg.

Denk-Mal # 2

Wenn die Antwort auf eine Frage eindeutig ist, muss ich nicht Monate drüber nachdenken und alles zu einem unverdaulichen Gedankenbrei zerkauen. Wenn die Lösung auf GO steht, dann Go. Das kann der mobbende Chef, die totale Überforderung, eine Nicht-Identifizierung mit der Arbeit oder halt auch private Gründe sein.

Mein zweiter Job – Flucht ins Schlaraffenland

Schlaraffenland bezieht sich nicht auf den Umstand, dass ich die Antwort der schwäbischen Bäckersfrau auf meine Frage nach ein paar Brötchen für das Umzugsteam nicht verstand. Auch wenn mir dieser Dialekt kurzfristig Panik bereitete. Doch ich fühlte mich in dieser fremden Stadt so unfassbar frei. Keiner kannte mich. Keiner erzählte meiner Mutter, dass ich mal wieder verschlafen hatte. Keiner beobachtete meinen Beziehungsstatus unter dem Gesichtspunkt „ach, der arme Junge hat es doch auch schwer“. Alles Gründe, warum ich mich voll und ganz auf den Job konzentrieren und viele Erfahrungen sammeln konnte, die mich für mein Leben sehr geprägt haben.

Mein Stuttgarter Chef war so großmütig, mich auch im Text-Bereich arbeiten zu lassen. Texte schreiben und einschlägige Headlines bilden sind jedoch zwei gänzlich unterschiedliche Dinge und bedarf auch einer gewissen Lebenserfahrung. Ich war gerade mal Mitte 20 und ob ich wollte oder nicht, wurde ich mal wieder die rechte Hand des Chefs, die zwischen Chef und Mitarbeitern, freien Kreativen und Lieferanten vermittelte und die Grafiker an die neue Medien heranführte, damit deren  Künstlerseele sich mit dem seltsam-technischen Medium Computer auseinander setzten (ich rede hier von den 80er!). Irgendwann stellte ich auch unser Sekretariat auf DOS und die ersten Textprogramme um.  Kundenverhandlungen waren nur dann Thema, wenn es schwierig, da anders, wurde. Computerprogramme austricksen, 50seitige inhaltsfreie Konzepte auf 4 inhaltsvolle Seiten reduzieren usw., meine Tätigkeiten verließen jeden gedachten Rahmen. Langsam dämmert mir, was ich in einem Job wollte: Alles. Und damit nichts, womit Personalvermittler klar kommen oder was in einen Lebenslauf passt.

Denk-Mal # 3

Nicht nur ich, wir alle, entwickeln uns tagtäglich weiter und unterliegen den merkwürdigsten Einflüssen. Ich mag in unterschiedlichen Bereichen talentiert sein, aber irgendwo ist der eine Bereich, in dem ich gut bin, mich wohl fühle und immer mehr lernen möchte.

Mein dritter Job – Emotion pur, mein vierter Job – digitaler Invest

Ich wurde Mutter. Ein Fulltime-Job. Und stand vor der Entscheidung Karriere oder Kinder. In den 90ern verdiente der Mann oftmals das Doppelte. Meiner verdiente das Dreifache. Wir beide entschieden uns bewusst dafür, dass nur einer Zeit für Karriere hat und der andere nicht.

Mein (vierter) Mini-Job als PC-Admin und DTP-Designer hat mich auch während der Mutterzeit up-to-date gehalten. Leider nichts, was sich im Lebenslauf wirklich gut macht. Bei aller angeblichen Flexibilität, die Firmen und Personalvermittler verlangen, im Lebenslauf hat es konservativ-stringent zuzugehen.

Denk-Mal # 4

Aus Erfahrung an alle Elternzeitler: Egal wie,  arbeitet nachweislich auch während der Kinderzeit. Es geht dabei gar nicht mal so sehr um „Selbstverwirklichung“ sondern um Zukunftsinvestition für die Zeit nach den Kindern. Denn die wird kommen.

Mein fünfter  Job – in der Natur für die Natur

Ich war glücklich als Mutter, keine Frage. Allerdings habe ich das leise Klopfen in meinem Hinterkopf geflissentlich überhört. Mein Hirn spuckte ohne Ende Ideen aus, was ich noch alles machen könnte, wenn, ja wenn …  statt an mich selbst zu glauben, erstickte ich meine Unruhe mit selbstgestalteten Homepages, Kurzgeschichten, Elternratsarbeit, Straßenfesten und so viel mehr … Das Ergebnis war ein sauberer Hörsturz. Kein Burn-Out, ein Bore-Out. Hier war ich meiner Zeit wohl voraus.

In Konsequenz schrieb ich die bereits erwähnte Liste mit den Punkten, die ich unbedingt wollte und den Punkten, die ich nicht wollte. Mit neuen Ideen ging ich zum Arbeitsamt, dessen Berater kurz vor einem Lachanfall stand, als ich mit meinen (zu guten) Zeugnissen als Führungskraft mit der Frage nach einem Teilzeitjob kam. Ich war in der klassischen Überqualifiziert-Frau-Wiedereinsteigerin-Falle. Ich sollte mich entscheiden: Entweder Fulltime ins Büro oder Teilzeit Briefe tippen.  Das passte so nicht in mein Leben, also entschied ich mich für das Studium der Tiernaturheilkunde und der anschließenden Arbeit als Tierheilpraktikerin

Denk-Mal # 5

Es war wieder Zeit für meine Liste. Ich habe sie sogar in Englisch geschrieben, weil mich das Suchen nach dem richtigen Ausdruck gezwungen hat, sehr genau über meine Wünsche und Ziele nachzudenken.

Denk-Mal # 6

Was ich während dieser Zeit lernte war, dass die Basis aller Ziele die eigenen, echten Stärken sein müssen. Bei mir sind es wohl „Kümmern“ und Organisieren. Daher baute ich auch als Tierheilpraktikerin neben den eigentlichen Behandlung einen zweiten Schwerpunkt auf: Die Organisation von Fachseminaren und das Schreiben von Fachartikeln.


Mein sechster Job – meine Bestimmung

Endlich angekommen im Traumberuf? Nein. Tatsächlich überforderte mich die Verantwortung, da es oftmals um Leben oder Tod ging. Ich veränderte mich, scharrte wieder mit den Füßen und schämte mich gleichzeitig dafür. Konnte ich denn nicht endlich mal zufrieden sein? Meinen Befreiungsschlag erhielt ich eher zufällig durch meinen Arzt: „Sie sind nicht unruhig oder unstet. Sie haben nur sehr viel Energie, die raus will.“

Dieser Satz eröffnete mir jedoch eine eher unangenehme Wahrheit. Ich, die doch alles machen und tun konnte, hatte sich in den eigenen traditionellen Vorstellungen verfangen. Als Mutter und Ehefrau strebt man keine Karriere, Auslandsaufenthalte, Abenteuer oder den Ausstieg aus dem bequemen Leben an. Offensichtlich habe ich versucht, eine selbstgebastelte Rolle zu erfüllen, damit ich und meine Lieben keine Komfortzonen verlassen mussten. Was also tun? Denk-Mal # 2 und den Arbeitsmarkt davon überzeugen, dass ich es Wert bin, für ein regelmäßiges Gehalt irgendwo mitmischen zu dürfen. Nicht einfach nach bald 15 Jahren ohne klassische, Lebenslauf-taugliche Anstellungen.

Denk-Mal # 7

Eines war mir klar, mit Nettigkeit und Understatement würde ich das nicht schaffen, besser noch eine Schippe drauf legen. Ich suchte also nach Tests mit Zertifikaten, die ich schnellstmöglich bestehen konnte (MS Office und Co. sowie Business English), bastelte Homepages, die mich und meine Fähigkeiten bewiesen und bewarb mich aktiv und penetrant.

So kam ich zu einer Anstellung als Assistentin des Qualitätsmanagers. Als ich dann mal meinen Chef in Anwesenheit des Vorstandes bei einem Kunden vertreten musste, legte ich mich richtig ins Zeug und meine Firma bekam eine entsprechend gute Bewertung. Es dauerte keine 10 Minuten und ich wurde zum Vorstand gerufen. Statt des Lobes erwartete mich der Vorwurf, dass ich viel zu häufig in der Ich-Form geredet habe und was mir einfallen würde, mich für den Besuch beim Kunden zu bedanken, das wäre nicht mein Besuch gewesen. Ich gebe zu, ich war einigermaßen fassungslos.

Was habe ich daraus gelernt? Lerne noch mehr und beweise es. Gut sein alleine reichte offensichtlich nicht. Ich brauchte die entsprechenden Titel sowie Selbstbewusstsein. Es geht nicht um Vordrängeln auf Teufel komm raus. Aber ich musste lernen nicht zu kneifen, wenn es mal ein bisschen rauer wurde. Der Gedanke „So what“ taugt übrigens ganz gut als Beruhigungsmittel.

Mein siebter und achter Job – Reif für meine Karriere

Als Assistentin wollte ich nicht enden, also suchte ich einen Job, in dem ich Verantwortung offiziell und nicht nur vertretungsweise übernehmen durfte. Den fand ich relativ schnell und habe dort in wenigen Jahren viel Praxiserfahrung gewonnen, Projekte geleitet und mich (Achtung, das hört nie auf!) weitergebildet.  Bis eines Tages ein Angebot eines Personalanbieters in mein Postfach flatterte (Business-Portal und Netzwerken sei Dank).

Denk-Mal # 8

Der Arbeitsmarkt besteht aus Angebot und Nachfrage. Dabei ist Marketing ein wichtiges Werkzeug. Wenn ich gefunden werden will, muss ich auch präsent sein. Sei es in den Business-Foren, indem ich aktiv auf Angebote zugehe, Fachartikel schreibe oder bei offiziellen Aktionen auf mich aufmerksam machen kann.

Mein Resultat aus gerade mal 8 Jahren seit Wiedereinstieg: Keiner nimmt mich, weil ich nett bin. Von mir wird Leistung erwartet und dafür wird Gegenleistung geboten. Was ich dabei im Blick haben muss, ist eine Win-Win-Beziehung zu schaffen. Ich liefere Leistung, die das Unternehmen braucht und das Unternehmen liefert die Wertschätzung in Form von Respekt und Gehalt, was ich brauche.. Natürlich weiß ich um Lohnungleichheit, noch nicht vollkommener Gleichberechtigung usw. Die letzten 8 Jahre haben  aber gezeigt, dass ich sehr wohl gesehen, anerkannt, gefordert und gefördert werde.

Denk-Mal # 9

Ich weiß, dass meine Geschichte nicht die Regel sondern eher die Ausnahme wiederspiegelt. Das hat vielleicht was mit Glück zu tun, aber das hätte alleine nicht gereicht. Gerade wir Frauen müssen uns bewegen. Damit meine ich nicht, auf die Männer zu schimpfen, weil sie keinen Platz machen wollen. Das will ich doch auch nicht. Der heutige Arbeitsmarkt bietet Möglichkeiten für alle und alles. Nicht umsonst zeigen sämtliche Statistiken darauf hin, dass die besten Erfolge von gemischten Teams und  nicht von Monokulturen mit starren Führungskreisen erreicht werden. Wir müssen uns zeigen. Nicht leise sondern fraulich und kreativlaut.

In diesem Sinne, auf den Wechsel, Frau sein und los.

Eure Michis Corner zum Thema der Blogparade von Futability

Blogparade: #MutzumJobWechsel

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