© by Michis Corner, Januar 2018

 

Ja, ich gebe es zu.

Auch ich gehöre zu denjenigen, die nach der zweiten dicken Mozartkugel „nie wieder“ sagen und die Packung (nicht) weit genug wegbringen. Die Weihnachtstage sind vorbei und ich trau mich nicht mal mehr auf die Waage, weil der enge Jeans-Knopf mir auch ohne unumstößliche Wahrheiten verrät, was ich eigentlich nicht wissen will. Facebook-Werbung für Diät-Bücher und eine Clean-Diet-Blog-Empfehlung poppen seltsam häufig auf und ich vermisse die Frau-TV-Blog-Empfehlungen aus dem Sommer über Frauen, die zu ihrer Körperadventsrolle stehen.

Ich brauche Support.

Ich will nicht mehr deprimiert vor meinem Kleiderschrank auf die Busensprengenden Blusen blicken, bei den engen Kleidern über die Möglichkeit von Korsetts nachdenken und die rote Lieblingshose gerade mal bis zum Po ziehen können. Ich schimpfe aus tiefstem Herzen über Magermodels und bin traurig bis wütend, wenn ich junge Halbbohnenstangen zwischen den XXS-Hosen wühlen sehen, während die normalgewichtig-füllige Freundin heimlich nach Hosen in Größe M Ausschau hält.

Und doch.

Mein wahres Gewicht kennt keiner, der schnürende Hosenbund wird tapfer ertragen und Luftanhalten in Schlauchkleidern geht bald einfacher wie Small-Talk-Reden über Zwänge, denen wir uns angeblich entledigt haben.

Fuck Karl Lagerfeld.

Dieser Hans-Wurst, der mir erzählt, wie ich auszusehen haben. Oder diese SeiDuSelbst-BackEinenKuchen-LaufDichSchlank-Ratgeber für Frauen und die, die es werden wollen. Jetzt gibt es das auch noch Bulimie-würdig für Männer. Meine Hoffnung auf intelligente Gleichberechtigung sinkt im gleichen Maße wie die Zahl auf meiner Waage steigt. Was mich nicht tröstet, denn geteiltes Leid gilt für geteilten Leib leider nicht. Also bin ich es wohl selbst. Selbst Schuld. Seufz.

Und jetzt?

Ganz ehrlich … ich habe keine Lust auf eine Diät. Ich will abends mit meinem Mann lecker Essen gehen und mit selbstgebackenem Kuchen bei meinen Kindern Erinnerungen schüren. Mit meinen Freundinnen Glühwein und Reibekuchen auf dem Weihnachtsmarkt genießen und fröhlich im Büro den Geburtstags-Kuchen unter Kollegen verschlingen.

Ganz ehrlich … Essen ist für mich eine so sozial-wichtige Komponente in diesem hektischen, digitalen Leben, dass mir das schlank-gephotoshoppte Selfie auf Facebook oder Instagram mindestens so egal ist wie die dicken Falten all der Lagerfeld-Egomanen. Da halte ich es doch lieber mit Albert Einstein und seiner Relativitätstheorie.

Bitte was?

Die Relativitätstheorie erklärt doch, dass eine Stunde nicht gleich eine Stunde ist, sondern mal schneller und mal langsamer vergehen kann. Wenn ich also viel Zeit in gemütlicher Runde mit Freunden und Familie verbringe, verläuft die Zeit meist zu schnell, aber nicht die aufgenommenen Pfunde. Wenn also Zeit mit Freu(n)den in direktem Zusammenhang mit der Strichzahl auf meiner Waage steht, kann ich exakt zwei Dinge zur Depressionsprävention tun. Zum einen dringend mehr Zeit in gemütliche Zusammenkünfte investieren und zum anderen auf meiner Waage die Kilogramme durch Piktogramme ersetzen. Aus der 55 wird ein Jogging-Bild, aus der 60 ein Party-Smiley, aus der 65 ein Riesen-Gruppen-Festtags-Bild und die 70 mach ich mit Tipp-Ex weg.

Ich fang mit dem Tipp-Ex an. Braucht noch jemand eins?

 

1 thought on “XXL-mas oder der Ultimative Non-Diet-Tipp

  1. In eigener Sache: Ich wünsch euch, uns, überhaupt allen einen FANTASTISCHEN Rutsch ins Neue Jahr 2018. Und das es uns ein wenig mehr Frieden und Liebe bringt. Liebe ist überhaupt gut und die Wurzel von allem Guten. Von dem anderen haben wir genug gesehen. Eure Michis Corner

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